DIASBOAH Summer Special: Neutralitätstheater von Hannan Salamat und Fatima Moumouni
Shownotes
Was bedeutet eigentlich Neutralitätstheater? Und warum ist es ein so gutes Werkzeug, um über die Schweiz abzulästern?
«Neutralitätstheater» ist ein von Hannan Salamat entwickeltes Konzept, das in Anlehnung an die in Deutschland geprägten Begriffe des Erinnerungs- und Versöhnungstheaters entstanden ist - das Schweizer Pendant sozusagen.
Im September 2025 kuratierten Hannan und Fatima zusammen in der Gessnerallee einen Abend zum Thema in Kooperation mit not_your_bubble. Nun haben die beiden für Diasboah eine Kurzreihe aufgenommen, um euch gut durch den heissen Restsommer zu bringen und ebenso für die nächste Gaga-Initative der SVP zu wappnen.
In der ersten Folge der Podcastreihe steigen Hannan Salamat und Fatima Moumouni in das Konzept ein: Sie sprechen über die Meistererzählung der Neutralität – über das Selbstbild eines Landes, das angeblich keine koloniale Vergangenheit hat, mit Nazideutschland nichts zu tun hatte und keine Erinnerungskultur braucht und bis heute der sauberen, schönen und reichen Schweiz hilft, sich der Verantwortung zu entziehen.
Wir fragen, was hinter den vertrauten Bildern von Neutralität, Unschuld und Unbeteiligtheit steckt und warum es sich lohnt, diese Erzählungen genauer anzuschauen.
Die Stimmen der DIASBOAH sind:
Audioproduktion: Christina Baron
Musik: Manuel Erdös
Grafik: Mona-Lisa Kole
Transkript anzeigen
00:00:00: Könntest du eigentlich auch im Privatleben, wenn du das Wort neutral hörst?
00:00:04: Wenn Leute so ... Ja ja
00:00:05: ja voll.
00:00:06: Ich denke mir einfach erst mal so hey!
00:00:08: Das wird so inflationär benutzt und ich glaube die Leute wollen sich eigentlich fast immer aus der Verantwortung ziehen, sobald sie das Wort benutzen.
00:00:28: Fangen wir an okay.
00:00:31: Bismillah.
00:00:32: Das ist Dias
00:00:33: Boah
00:00:34: und mein Name ist Fatima Mumuni Und heute bin ich aber nicht mit Galosaniman, Urgültekin und Mona Lisa Kohle am Sprechen.
00:00:42: Die normale Diaspora Crew schaut an die Sondern mit Hanan Salamat!
00:00:48: Denn es ist Sommer, es ist heiß und Hanan und Ich haben ein Summer Special vor, bei dem wir über das Konzept des Neutralitätstheaters sprechen.
00:00:57: Das ist ein Konzept, dass Hanan immer wieder in unsere Gespräche gebracht hat, an dem sie seit Jahren herumdenkt.
00:01:04: Und ich habe irgendwie gemerkt, dass ich das ein sehr gutes Werkzeug finde um über die Schweiz zu sprechen allenfalls zu lästern und deswegen kommen jetzt hier ab jetzt ein paar Folgen über das Thema Neutralitätstheater.
00:01:20: Hallo Hanan!
00:01:29: Wir haben letztes Jahr im September eine Veranstaltung zusammenkuratiert auf deine Initiative hin und diese Veranstaltungen trug den Titel Neutralitätstheater.
00:01:40: Und dort hast du eine Rede gehalten, keine erste August-Rede – ich würde dich sehr gern bitten uns ein Teil von dieser Rede hier in unser Aufnahmegerät hinein zu spitten!
00:01:54: Sehr gerne.
00:01:56: Es ist heute nicht der erste August.
00:01:58: kein Grillieren kein Cervella, keinen Feuerwerk am Himmel.
00:02:03: Kein Rüttelischwur, keine Armbrust, kein Apfel auf dem Kopf und vor allem kein Einreden mehr!
00:02:11: Kein Einredn wie sein Gut, wie sein fleißig oder vernünftig.
00:02:16: Keine Rückversicherung im helvetischen Selbstbild – neutral, friedlich, sauber.
00:02:23: Die Schweiz erzählt sich gerne als sicherer Hafen für das Kapital der Welt als Hort der Stabilität, der Harmonie und der guten Dienste.
00:02:33: Wo andere kämpfen, vermitteln wir – wo andere verlieren profitieren wir!
00:02:40: Eine globale Vertrauensinstanz immunisiert durch Neutralität.
00:02:46: Neutralitet als Gutsein.
00:02:49: Diese Erzählung funktioniert wie eine moralische Versicherungspolizei.
00:02:54: Wer Gutes will kann nichts Schlechtes getan haben.
00:02:58: Wer vermittelt, kann nicht verstrickt sein.
00:03:01: Wer ver mittelt bleibt rein!
00:03:04: Doch was passiert wenn man diese Erzählung ernsthaft prüft?
00:03:09: Was bleibt von einer Gesellschaft, wenn man ihr die Mythen abzieht?
00:03:14: Wenn man aufhört Geschichte als Heldinnsage zu erzählen und beginnt sie plural widersprüchlich und unbequem zu erzählten?
00:03:25: Die Schweiz hat Keine Erinnerungskultur.
00:03:28: Das ist etwas Deutsches, hat man mir gesagt!
00:03:31: Die Schweiz hat keine Kolonien gehabt?
00:03:34: Hat man mir
00:03:34: gesagt?!
00:03:36: Die Schweiz war neutral im Zweiten Weltkrieg – hat man mehr
00:03:39: gesagt!?
00:03:40: Die Schweiz mischt sich nicht ein, hat er mir gesagt.
00:03:45: Dass die Schweiz keine Erinnerungskultur hat, stimmte also.
00:03:49: Denn wer genau zuhört merkt, das sind keine Sätze, die erinnern.
00:03:54: Das sind Sätze ,die vergessen machen… Nicht zufällig, sondern systematisch.
00:03:59: Neutralität schützt nicht vor Verstrickungen!
00:04:02: Sie ist nicht nur Schweigen – sie isst auch Handeln.
00:04:06: Neutralität half in Südafrika das Apartheid-Regime mit Goldhandel am Leben zu erhalten.
00:04:13: Neuteralität hieß, jüdische Flüchtlinge an Schweizer Grenzen abzuweisen und ihre geraubte Kunst im Kunsthaus zu verherrlichen.
00:04:22: Den Waffenhändler gleich mit glänzend gerahmt in Selbstgefälligkeit.
00:04:28: Neutralität hieß, in Evian zu vermitteln und in Algerien zu verdienen.
00:04:33: Neutralität hieß, Algerien vergessen und Nordafrikanerinnen heute als Problem zu erinnern.
00:04:41: Neuteralität hies an der Universität Syrisch Rassenforschung zu betreiben und so die Sprache der Nürnberger Gesetze
00:04:48: mitzuprägen.".
00:04:50: Neutralität macht die Schweiz zu Komplizien.
00:04:53: In der Ukraine, in Gaza im Sudan und im Iran.
00:04:57: Neutralitet ist keine Reinheit – sie ist ein System der Beteiligung!
00:05:02: Und sie zerbricht manchmal schon an einer Schweigeminute im Nationalrat.
00:05:08: Und doch brückelt das Selbstbild.
00:05:11: Es gab unabhängige Expertinnenkommissionen Black Lives Matter Demonstrationen.
00:05:18: Es gab Ausstellungen zu Zürich und dem Kolonialismus, in Bern kam endlich ein Wandbild weg.
00:05:25: Ein Holocaust-Mahnmal ist angekündigt – inschallah!
00:05:29: Und kaum haben wir angefangen kommt es schon das große Augenrollen.
00:05:34: müssen wir wirklich jeden Stein umdrehen?
00:05:37: können wir die Harmonie nicht einfach sein?
00:05:40: lassen immer diese Unruhe im Getriebe der Selbstzufriedenheit?
00:05:45: Denn sobald etwas sichtbar wird, heißt es Ein dunkles Kapitel.
00:05:50: Ein Einzelfall.
00:05:52: Ein Betriebsunfall Als hätte sich die Schweiz nur kurz in die Gewaltgeschichte Europas verehrt und wäre danach wieder geworden was sie eigentlich ist.
00:06:03: Doch diese Erzählung trennt, was nie getrennt war.
00:06:07: Sie macht aus Kontinuiteten Ausnahmen Die Schweiz war nie außerhalb dieser Gewaltgeschichte Europas.
00:06:14: Ihre Verstrickungen waren keine Ausrutscher, sondern Teil davon!
00:06:20: Der Begriff Neutratitätstheater beschreibt genau diese Struktur.
00:06:40: Und sind in die Schweiz migriert, sind hier zugewanderte Ausländerinnen.
00:06:45: Du hast inzwischen einen höheren AuslenderInnenstatus als ich!
00:06:49: Du hast C, Ich habe B und wir gestalten uns zusammen dieses Ausländer da sein und machen das uns ein bisschen schöner.
00:06:57: Und ich dachte du könntest unserem Diazboa-Publikum mal kurz noch erzählen wer du bist.
00:07:02: stelle dich kurz vor.
00:07:04: Sehr gerne ja unsere biografische Verstrickungen hat auch was mit meiner beginnende, also wie ich meine Arbeit damals begonnen habe zu tun.
00:07:14: Ich bin Kulturwissenschaftlerin, hab in München studiert und hab im Jahr zwei Tausendsechzehn in Münche das Ausartenfestival Perspektivwechsel durch Kunst mitinitiiert, mit gegründet, mit Erkaninern.
00:07:27: Da begann eigentlich auch so meine Arbeit im Bereich Erinnerungskultur – genau da haben wir uns ja auch kennengelernt bei diesem Festival!
00:07:36: Ich wohne seit Jahrzehnten in der Schweiz, habe seitdem viele Projekte gemacht und arbeite am Zürcher Institut für interreligiösen Dialog.
00:07:45: Und habe dort im Rahmen eines größeren Transalpinenfestivals zwischen München, Wien und Zürich stattgefunden hat damals das erste Mal überhaupt das Konzept Neutralitätstheater auf den Tisch gebracht.
00:07:59: Aus dem heraus ist das Projekt Not Your Bubble wo wir ja auch die Veranstaltung letztes Jahr zusammengemacht haben, da unter diesem Label habe ich gegründet.
00:08:09: und arbeite in der Schnittstelle zwischen Kultur, Bildung, Vermittlungsarbeit mit vielen Institutionen zusammen.
00:08:15: Mit vielen Museen, viel Theater, verschiedene städtische Verwaltungsstellen.
00:08:20: Und so hat sozusagen letztes Jahr dann auch das erste Mal richtig an einem Konzept zusammenarbeiten, am Abend gestalten angefangen.
00:08:28: Ich freue mich heute da zu sein und bin auch große Fan von Diaspora Podcast!
00:08:33: Okay danke für die Blumen und schön dass du da bist.
00:08:37: Ich finde es sehr schön, dass wir so ein bisschen Zeit haben über dieses Konzept oder dieses Gedankenkonstrukt zu sprechen.
00:08:45: Ich glaube der Grund ist irgendwie weil ich glaube das wir in unseren unterschiedlichen Kollektiven und Arbeiten, und Leute vor uns.
00:08:56: Und Leute mit uns und nach uns und Leute gegen uns sogar alle reden über Neutralität.
00:09:02: ich glaube das ist nichts neues.
00:09:04: Ich glaube die Debatte um irgendwie Thema neutralität ist in den letzten Jahren ja auch immer wieder aufgekommen und so weiter.
00:09:13: aber irgendwie glaube ich, dass dieses Nachdenken im Rahmen von diesem Begriff Neutralitätstheater nochmal so ein Tool sein kann mit dem wir besser auch entlarven können was da passiert.
00:09:29: Und irgendwie finde ich es schön auch noch mehr Leute dazu einzuladen über diese Linse von diesem Begriff über die Neutralität oder die Erzählungen in diesem Land, die erzählt werden nachzudenken.
00:09:44: Und deswegen vielleicht jetzt zu Beginn – was ist Neutralitätstheater?
00:09:49: Kannst du uns da vielleicht so eine kleine Definition geben?
00:09:52: Sehr gerne!
00:09:54: Das NeutrialitätsTheater ist im Grunde genommen die Inszenierung der Schweizer Neutralität, also dieser Begriff, der so überpräsent ist und identitätsschaffend als nationales Selbstbild sozusagen, nicht als konkrete politische Praxis sondern wirklich als Erzählung die die Schweiz als vernünftig humanitär moralisch sauber immer schon gut gewesen und gut sein darstellt.
00:10:21: Und diese Erzählungen ermöglicht das man erzählt dass die Schweiz außerhalb der Gewaltgeschichte Europas steht.
00:10:29: also da fängt es an Es Unterbrechungen gibt.
00:10:34: Das habe ich auch in der Rede gesagt, dass es immer wieder als Ausrutscher gilt wenn wieder etwas aus der Geschichte hervorkommt wie die Schweiz in Kolonialgeschichte maßgeblich beteiligt war Wie die schweiz beim zweiten weltkrieg maßgeblich beteidigt war.
00:10:48: das wird unsichtbar gemacht Dadurch dass diese neutralität nicht einfach als politische praxis sondern wirklich Inszenierung als Selbstbild immer wieder präsent ist.
00:11:01: Also Ausrutsche heißt, dass man sich nicht wie jetzt zum Beispiel ein Deutschland mit seinen Verbrechen identifiziert und aus diesem Verbrechenda irgendwie ganz viele Sachen daraus macht sondern das man diese verbrechen aktiv heraus schreibt oder?
00:11:14: Ja und nein weil selbst in Deutschland funktioniert es ja nicht ganz.
00:11:18: also auch in Deutschland sehen wir eigentlich die deutsche Erzählung dazu führt dass man sagt Wir haben auch einfach einen Ausrutscher gehabt, der war halt sehr groß dumm gelaufen.
00:11:28: Aber man steht zumindest zu diesem Fehler so als Kernpunkt einer deutschen Identität.
00:11:34: Wie waren die Bösen?
00:11:35: Und danach erzählt man sich aber, dass man gut geworden ist.
00:11:39: und aus dieser Gutwertungserzählung entsteht auch in Deutschland eben den Raum, der erlaubt, zu sagen hey jetzt ist es gut, schlustrig
00:11:50: ...
00:11:52: Da funktioniert es eigentlich auch nur bedingt.
00:11:54: Aber der wesentliche Unterschied ist, Deutschland hat diesen einen historischen Moment.
00:11:58: Also angeblich das hat viele historische Momente.
00:12:00: Ja also
00:12:00: Kolonialgeschichte wird ja in Deutschland herausgeschrieben?
00:12:03: Genau und also aktiv hier raus gestrichen.
00:12:07: und der zweite Weltkrieg ist sozusagen zentriert, der Holocaust ist zentriert.
00:12:12: und daraus heraus hat man immer wieder gesagt rollen verteilt, rollenverteilt.
00:12:17: Damit man sozusagen auch da diese Kontinuität unterbricht und sagt nee-nee-nee das heute jetzt irgendwie ein rechtsextremer Anschlag passiert?
00:12:26: Das ist ein Ausrutscher weil wir haben uns doch sauber erzählt!
00:12:29: Wir haben doch alles gemacht, wir haben aufgearbeitet.
00:12:32: Also das heißt eigentlich auch in Deutschland geht es nicht darum dass jetzt die Verantwortung für die Gewalt Verbrechen besser wahrgenommen wird weil es eigentlich auch wieder eine sehr spezifische Geschichtsschreibung ist.
00:12:43: also Apropos Holocaust, dass man den so krass eigentlich ... Dass man dort nur die Geschichte erzählt von wir haben sechs Millionen Juden umgebracht.
00:12:55: Aber behinderte Menschen sind die in Roma ausschließt aus diesen Erzählungen oft?
00:13:01: Oder wer noch darunter gelitten hat?
00:13:03: Also nicht nur das sondern auch da gibt es eine Erzählung wo wir als... Wir sind beide in Deutschland zur Schule gegangen und Man lernt eigentlich nichts über jüdische Lebendigkeit.
00:13:15: Man lernte nicht proaktiv, wie jüdisches Leben die deutsche Kultur geprägt hat in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit, in der Bundesrepublik oder auch in den DDR.
00:13:24: und da gibt es eben eine dominante Erzählung, wie Deutschland sich selber erzählt und wie Deutschland dann auch wieder gut geworden ist.
00:13:33: also da gibt's diese Unterbrechung indem die Deutschen bestimmen, welche Rolle die Juden-Jüdinnen eigentlich in dieser Erzählung haben.
00:13:40: Und da sind viele jüdische Menschen aktiv und erzählen auch gegen Narrative.
00:13:47: Aber auch dort gibt es eben diese Unterbrechung der Kontinuität damit sichtbar wird, woher kommt denn eigentlich Antisemitismus in Deutschland?
00:13:55: Das Neutralitätstheater?
00:13:57: oder dieser Begriff schließt ja direkt an Geschwisterkonzepten, die in Deutschland verortet sind an.
00:14:05: Willst du uns kurz über diese Verbindungen erzählen,
00:14:07: wo das herkommt?
00:14:09: Wir haben ja einen kurzen Ausflug in die deutsche Erinnerungskultur gemacht.
00:14:12: Und da habe ich vor allem vom Lyriker und Autor Max Schollek viel gelernt.
00:14:18: Er hat ja das Buch des Integriert euch rausgegeben und damals sprichte er von Versöhnungstheater, vom Deutschen Versöhnungstheator.
00:14:28: Da beschreibte eben dass Juden-Jüdinnen in Deutschland ... bestimmte Rollen haben, damit eben diese deutsche Erzählung von sich selber aufrecht erhalten wird.
00:14:38: Und sein Aufruf ist ja dass man sich aus diesen Rollen raus integriert und er erweitert das Ganze eigentlich sehr gut in den verschiedenen Büchern die es danach auch raus gibt wo es darum geht.
00:14:50: diese rollen haben auch andere.
00:14:52: dieses rollen ham queere menschen.
00:14:53: dieser rolle haben muslimische Menschen diese rolle ham zintheon roma.
00:14:58: Sein Aufruf ist, dass nicht in diesen Rollen verharren und darin bleiben so das dieses deutsche Selbstbild sozusagen auch gefüttert wird sondern man sich davon löst.
00:15:10: Sein Vordenker ist wiederum Michael Bodemann der das Deutsche Gedächtnistheater überhaupt das erste Mal erwähnt hat und dort genau erzählt er diese Aufarbeitung der deutschen Geschichte eben dazu dient wieder gut zu werden.
00:15:25: Da spricht er eben von einem Gedächtnistheater.
00:15:28: Also als Erinnerungskultur, Gedächnis- als eine Theaterinszenierung und nicht als eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit damit Strukturen in den Gegenwart geschaffen werden unter denen Antisemitismus nicht mehr möglich ist, unter der Rassismus nicht mal möglich ist oder unter der Sexismus nicht möglich ist.
00:15:48: Es geht eigentlich bei allen drei Konzepten also Gedechnistheater Versöhnungstheater und Neutralitätstheater um Konzepte, wo Erinnerungen selektiv geframed wird.
00:16:01: Um das Gutsein einer Gesellschaft zu erzählen.
00:16:07: Exakt!
00:16:08: Das heißt, dass sind eigentlich erinnerungskulturelle Beobachtungen?
00:16:12: Kannst du uns vielleicht da, weil wir jetzt diesen Begriff der Erinnerungskultur mehrmals erwähnen werden und das ja wie du auch schon länger beobachtest in der Schweiz auch irgendwie gar nicht so ein Begriff ist.
00:16:24: Vielleicht kannst du uns da einen kurzen Abriss machen oder zumindest kurz sagen was es eigentlich mit Erinnerungskultur gemeint?
00:16:30: Als ich
00:16:30: zwanzig-einundzwanzig beispielsweise zum Fünfzig Jahre Frauenstimmrecht das Wort Erinnerungenskultur überhaupt in der schweiz benutzt habe und dass es genau dieser Moment gewesen wo ich aufmerksam geworden bin und gemerkt habe, Momenti ist irgendwie ... Dieser Begriff wird gar nicht verwendet oder wird seltsam verortet.
00:16:50: Ich hab gefragt ja was ist ein Schweizer Erinnerungskultur?
00:16:53: Und dann hat man mich so angeguckt Was hat denn jetzt die Schweiz mit der deutsche Aufarbeitung des Nationalsozialismus zu tun?
00:17:03: Also das war Menschen, die selber fachlich sich eigentlich mit der Geschichte der Frauenbewegungen in der Schweiz auseinandergesetzt haben oder auch mit der Migrationsbewegung.
00:17:13: Und mir war es allen anliegen dass man diese Bewegungen auch zusammen denkt und auf diesem Panel was wir geplant hatten irgendwie auch zeigt, wie die Bewegung zusammenarbeiten.
00:17:22: Und daraus entstand meine Frage so hey, wie erzählt ihr euch denn selbst eigentlich?
00:17:26: Wie erzählt ihr dieses Frauenstimmrecht?
00:17:28: in welcher Zusammenhänge bringt ihr das?
00:17:30: und da merkte ich krass Erinnerungskultur als Begriff ist irgendwie schon ein Fremdwort und wenn man es jetzt wirklich in der Nutshell sagen will, ist Erinnerungskultur eigentlich keine Geschichtswissenschaft.
00:17:42: Es arbeitet mit historischen Fakten also es ist nicht losgelöst von historischen Ende des Tages ist es per Definition etwas Selektives.
00:17:51: Es ist politisch, Erinnerungskultur ist der gegenwärtige Umgang einer Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und das prägt eben ein Selbstverständnis von dieser Gesellschaft.
00:18:02: Und wer diese Deutungshoheit hat, was erzählt wird aus der Vergangenheit?
00:18:07: Wie es in der Gegenwart erzählt wird dort Spielten Ressourcen und Deutungshoheiten natürlich eine große Rolle, weil Erinnerungskultur manifestiert sich am Ende in Institutionen.
00:18:18: In denen die Ressoursen verteilen – in Denkmäler, in Gedenktagen!
00:18:22: Also auch unsere Feiertage Weihnachten, erst der August Ostern, die erzählen also nehmen wir Zürich, wir haben kaum katholische Feiertagel, weil Zürch sich... reformiert erzählt.
00:18:35: Und ich glaube, das macht sichtbar, dass Erinnerungskultur wirklich sehr, sehr breit ist aber wir das häufig eher in diesem.
00:18:42: man kommt zusammen und gedenkt etwas und dann geht man auseinander oder es ist einfach nur die Auseinandersetzung mit der Geschichte, aber es geht wirklich darum was sehen wie in der Stadt wer ist präsent und wer fehlt?
00:18:55: Und da gibt es eben eine Lücke erzählt eben nur eine dominanzkulturelle Erzählung und nicht eine Plurale, wie eben unsere Demokratie eigentlich ist.
00:19:08: Wir sind eine plurale Demokratie, wir sind eine plurale Gesellschaft.
00:19:11: Und da gibt es eben diese Lücke – das führt dazu dass eine bestimmte Erzählung zählt und andere komplett unsichtbar werden.
00:19:22: Das Neutralitätsdata soll eben sichtbar machen Das Konzept Neutralität, diese Identitätsstiftende, am Ende Ideologie wenn man so will von sich selbst.
00:19:35: Dass das systematisch auch verursacht dass andere Erinnerungen nicht sichtbar werden.
00:19:41: also es ist eine Absicht dahinter und nicht einfach ein zufälliges Vergessen.
00:19:47: Ich glaube, das was irgendwie neu ist für Leute die zum Beispiel keine Sozialwissenschaften studieren oder die so Geschichte halt aus der Schule, aus dem Geschichtsunterricht als irgendwie so ein faktenbasiertes Ding lernen wo einfach erzählt was war.
00:20:08: Ist eigentlich der Aspekt nein dass was wahr muss ja erzählt werden und Diese Erzählung ist selektiv.
00:20:15: Ich fasse es nur gerade noch mal zusammen, weil ich glaube, dass das eigentlich auch das ist mit dem wir in vielen Bereichen zu kämpfen haben – die Erzählungen oft als Fakt und bewiesene Tatsache eigentlich so empfunden wird oder auch erzählt wird.
00:20:35: Aber das natürlich, wenn man irgendwie als Gesellschaft zu einer Identität kommen will oder auch nur in einen Gespräch kommen will, dass man da eine Auswahl machen muss.
00:20:45: Wer gehört dazu?
00:20:46: Wer gehört nicht dazu?
00:20:48: Das kennen muslimische Menschen, wenn sie sich fragen so sind wir wirklich einfach nur mit Europa verbunden als Ausländer die ab zwei tausend vierzehn irgendwann Als Flüchtlingswelle in diese Länder gekommen sind?
00:21:03: oder gibt es schon viel frühere Kontaktpunkte?
00:21:07: oder auch viele Projekte aus der schwarzen Community beschäftigen sich zum Beispiel damit, dass es in Deutschland wie auch in der Schweiz wirklich auch schwarze Geschichte gibt.
00:21:17: Wir waren schon immer da und uns gibt's schon länger so die Stadtheiligen von der Stadt Zürich sind schwarz.
00:21:23: Genau!
00:21:24: Also so Sachen und ich glaube irgendwie finde ich sehr schön irgendwie da rein zu gehen will aber von dir jetzt auch ein bisschen genauer wissen.
00:21:32: noch mal Theater was ist eigentlich das Theater?
00:21:37: an dieser Neutralitätserzählung.
00:21:40: Also
00:21:40: es ist genau das, was du erzählst.
00:21:42: Indem wir die Geschichte linear erzählen und halt mit einer einzigen Perspektive – die dominanzkulturelle Perspektiv – drauf schauen werden halt andere Teile der Geschichte nicht gezeigt, soll ich Dominanzkultur einmal erklären?
00:21:56: Genau!
00:21:57: Inzwischen können wir uns einfach angucken.
00:22:01: Dominanz-Kultur ist ein Konzept nach Birgit Rommelsbacher Psychologin Wo es darum geht, dass bestimmte Perspektiven dominieren?
00:22:10: Es ist nicht unbedingt eine Mehrheit.
00:22:12: Wir reden nicht über Mehrheit-Minderheiten sondern wir reden über Dominanzkonto.
00:22:15: Was sind bestimmten Perspektive?
00:22:17: Die erzählen die Gesellschaft, die bestimmen was dazugehört und was nicht dazu gehört.
00:22:22: aber diese Perspektiva wird... neutralisiert.
00:22:25: Es wird unsichtbar gemacht, also eigentlich ist der Gebrauch von diesem Begriff auch im Zusammenhang vom Neutralitätstheater sehr wichtig weil man denkt immer wir reden über Mehrheit-Minderheitenverhältnisse aber das ist nicht so.
00:22:38: Das ist
00:22:39: mega wichtiger Punkt!
00:22:40: Das ist absolut
00:22:41: ein wichtiger Punkt weil oft geht es um Minderheitenbefindlichkeiten, aber die Mehrheit will halt was anderes und das stimmt einfach nicht.
00:22:50: Wir wissen, dass die Gesellschaft hier reichig ist.
00:22:53: Wir wissen das.
00:22:54: so weitern wir in Unternehmen beispielsweise hochgehen, in Strukturen hoch gehen.
00:22:58: So mehr Macht die Leute haben, desto es mehr männlich wird beispielsweise und Männer sind am sorry.
00:23:04: aber als man gelesene Menschen der Gesellschaft sind fünfzig Prozent nicht die Mehrheit also auch diese ihr Glaube.
00:23:12: es geht hier um Minderheiten Mehrheiten sondern Es gibt Menschen die haben eine Dominanz und das beschreibt eben Berggetrommelsbacher als Dominanzkultur.
00:23:21: Gerade wenn man über Geschichte redet, ich finde es immer spannend... Ich weiß nicht mehr von wem dieses Zitat ist aber History is his story!
00:23:29: Also wenn wir zurückgucken sind wir auch... Es gibt kaum irgendwie Lyrekarinnen auf die wir referieren können, es gibt kaum Denkerinnen, Wissenschaftlerinnen, es gib kaum Theologinnen.
00:23:40: Und dann guckt man sich die Geschichte an und sieht, die waren von Anfang an alle da.
00:23:44: Aber sie kommen einfach in der Geschichte nicht vor.
00:23:47: Ja.
00:23:48: Man
00:23:48: könnte meinen, die Welt ist von weißen Männern gemacht aber sie wurde teilweise einfach von weißem Männern erzählt.
00:23:56: Exaktlich!
00:23:58: Und es geht genau diese Verengung der Perspektive, das war Erinnerungskultur?
00:24:02: einer einseitige Ausmacht.
00:24:04: Wir erzählen eine lineare Geschichte, wir fangen bei der Antike an die Römer und dann kommt irgendwann das Mittelalter und dann kommen die Aufklärung und die Renaissance und dann wurde Europa zu dem was es ist.
00:24:16: Und wenn wir jetzt zum Beispiel deutsche Geschichte nehmen und die Schweizer kann man parallel dazu erzählen Viele denken nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Trümmerfrauen, die das Land aufgebaut haben.
00:24:27: Niemand erzählt in den Geschichtsbüchern, die wir in der Schule haben über die ganzen Gastarbeiterinnen.
00:24:33: Oder macht diese Verbindung?
00:24:35: Genau!
00:24:36: Diese Verbindung wird halt nicht hergestellt und das ist diese Einseitigkeit, deswegen sage ich immer wieder... Das andere sind auch historische Fakten, aber es wird einseitig erzählt.
00:24:45: Ich
00:24:46: glaube hier würde ich gerne nochmal kurz eingreifen einfach weil Schweizer Podcast Drümmerfrauen.
00:24:51: das ist so die Geschichte von den deutschen weißen Frauen Die nach dem Krieg so den Job gemacht haben.
00:24:59: Die sind irgendwie losgegangen, haben die Trümmer von A nach B geschleppt und haben die Städte aufgeräumt, die ihr zerstört worden
00:25:07: sind.".
00:25:08: Und keiner erzählt auch dass sie ja genauso Nazi-Kollaborateurin war.
00:25:12: Also die deutsche Gesellschaft, so wie ich es damals in den Geschichtsbüchern gelernt habe... Ich hab' im Jahr zwei tausendfünf Abitur gemacht.
00:25:18: Es war eine Minderheit, der Deutschen war Nazis.
00:25:21: Die Mehrheit hat geschwiegen, waren Mitläufer.
00:25:23: Heute wissen wir ganz klar, dass die Mehrheit der Deutschen mitgemacht haben.
00:25:26: Sie waren proaktiv an diesem System beteiligt und das macht ja auch so etwas, was ja die armen Witfen, die hinterher das ganze Land aufgebaut haben aber es wird nicht erzählt, dass man eben wirklich angewiesen war auf Menschen, die man dahin geholt hat, die Drecksarbeit gemacht haben, die das Land wieder
00:25:43: aufgeworfen haben.
00:25:43: Und letztlich auch ein Wirtschaftsboom?
00:25:45: Genau!
00:25:45: Der ganze Wirtschaftsbum basiert.
00:25:49: Das ist genau das Spannende an Erinnerungskultur, wenn es eindimensional wird und nur eine Heldin Geschichte erzählt, dann wird halt super viel unsichtbar gemacht.
00:25:58: Es werden unsichtbare gemacht dass eben schwarze Menschen in Deutschland eine Geschichte haben.
00:26:04: also so jede schwarzen Person auf der Straße wird als Migrant gelesen obwohl die Personen sind vier Generationen schon in diesem Land lebt.
00:26:11: Ich glaube Analogie jetzt, was so GastarbeiterInnen irgendwie angeht ist ja auch die Schweiz sieht sich als Land das sehr sauber ist, dass sehr eindrückliche Bauten wie zum Beispiel die Gotthard-Tunnel hat.
00:26:25: aber wer hat sie eigentlich gebaut?
00:26:29: Wer hat das Land aufgebaut?
00:26:32: Wer putzt und macht?
00:26:36: Die Geschichte wird dann irgendwie nicht erzählt.
00:26:38: Und das führt ja eigentlich auch ein bisschen dazu, dass man immer wieder auch sagen kann die sollen wieder gehen.
00:26:44: Die gehören gar nicht zu uns sondern sie sollen wiedergehen.
00:26:47: Richtig und eben...
00:26:47: Sie haben gar keinen Anteil an dem Reichtum, an dem Wert den sie geschaffen haben.
00:26:52: Die haben kein Recht darauf da auch irgendwie davon zu profitieren.
00:26:59: Aber eigentlich waren wir ja nochmal bei der Frage Theaterhaftigkeit.
00:27:01: Genau, das Theaterhafte da kann man jetzt genau gut ansetzen weil die Neutralität, die ja suggeriert ist dass es eine Abwesenheit von der Position gibt macht sozusagen diese dominanzkulturelle Zentrum auf und von dem alles ausstrahlt.
00:27:16: Da wird bestimmt wer ist anders?
00:27:18: Wer ist fremd?
00:27:20: Wer ist nur auf Zeit geduldet?
00:27:22: Wer ist willkommen, solange die Drecksarbeit macht und dann eben nicht mehr.
00:27:26: Diese Zugehörigkeitsfragen, diese Teilhabefragen, die in den letzten Jahren ja immer wieder aufkommen, werden durch dieses Theaterhafte bestimmt.
00:27:36: Menschen bekommen Rollen.
00:27:38: Beispielsweise brauchen wir Leute, die die Bedrohung für unsere Kultur darstellen, die unsere Werte nicht teilen.
00:27:44: Es braucht Menschen, als unzivilisiert markiert werden.
00:27:49: Weil wir sind ja die Norm, wir sind die Zivilisierten und alles was davon abweicht ist sozusagen...
00:27:56: Es braucht Leute, die schlechte Qualität produzieren weil wir sind mit der guten Qualität.
00:28:01: Genau!
00:28:01: Und das ist die Rollenverteilung.
00:28:03: also sozusagen eben Schweiz als Ort der Harmonie des Fleißigen.
00:28:07: Wir haben fleißig selber alles erschaffen und nicht weil wir ausgebeutet haben.
00:28:14: Und genau da kommt diese Rollenverteilung
00:28:17: Oder Ausbeuten.
00:28:18: Und
00:28:18: Ausbeute, exakt ausbeuten war diese Erzählung von sich selbst der irgendwie auch die Gewaltanteile betrifft müsste ja in der Gegenwart eine Konsequenz haben.
00:28:30: Also das Theaterhafte ist also einfach wegen der Rollen... Oder weil es auch irgendwie ein Spiel ist, oder kannst du da auch noch mal... Es
00:28:38: ist eine Inszenierung.
00:28:40: Also es ist manifestiert sich in Institutionen die das reproduzieren.
00:28:44: also wer sitzt im Tat?
00:28:45: Wer wird im Publikum gezeigt?
00:28:47: Wer auf der Bühne bezahlt?
00:28:48: Wer ist Subjekt?
00:28:50: Wer is Objekt in Museum?
00:28:51: Wer werden ausgestellt?
00:28:53: Schlagwort Raubkunst?
00:28:55: Wer aber darf erzählen?
00:28:57: Also wer kuratiert einen Museumsraum?
00:28:59: Wer gehört zum literarischen Kanon dazu?
00:29:01: und wer ist eine Abweichung, wer findet den Zugang zu diesen ganzen Institutionen.
00:29:08: Und wer eben nicht.
00:29:09: Das Theaterhafte ist genau das.
00:29:11: Es ist eine Struktur die ein Status Quo auch mit aufrecht erhält.
00:29:17: Ich habe so ein kleines Hobby ist mir irgendwann aufgefallen, dass man ja eigentlich nirgends hingehen kann ohne das man Schweizer Flaggen sieht.
00:29:25: Also vor allem nicht im Supermarkt?
00:29:27: und ich hab inzwischen angefangen auf so Schweizer Produkten zu zählen wie oft die Schweiz erwähnt wird.
00:29:33: Gerade auf Platz eins ist ... Ich weiß gar nicht wieder richtig heiß Trieser oder so Kaugummi wo auf der Packung neunmal entweder Schweiz erwählt wird oder ein Schweizer Kreuz ist oder Swiss Quality steht.
00:29:46: Und ich finde es so krass!
00:29:48: Und es funktioniert ja auch, oder?
00:29:49: Du sagst Schweiz und die Assoziation ist eine ganz bestimmte.
00:29:53: Und über die können wir jetzt auch mal noch mal sprechen.
00:29:55: Ich weiß nicht ob wir vielleicht anfangen wollen, auch nochmal... Okay was ist eigentlich Schweizer Neutralität in dem Sinn?
00:30:02: Wir haben uns ja auch ein bisschen lustig gemacht, weil wir dann auch letztens auf der Seite vom Bund waren und einfach mal gucken wollten okay was schreibt eigentlich so?
00:30:10: Der Bund so repräsentativ über Neutralität.
00:30:13: Und da steht zum Beispiel in der folgende Satz die Dauernde Neutralitet ist ein Instrument der Schweizerischen Außen- und Sicherheitspolitik.
00:30:22: Sie trägt bei zu Frieden und zur Sicherheit in Europa und jenseits der Grenzen Europas.
00:30:29: Sie dient der Sicherung, der Unabhängigkeit unseres Landes und der Unverletzlichkeit des Staatsgebietes.
00:30:36: In Übereinstimmung mit dem Neutralitätsrecht nimmt die Schweiz nicht an Kriegen zwischen anderen Staaten
00:30:43: teil.".
00:30:47: Das ist lustig, dass du das sagst.
00:30:49: Weil ich habe irgendwann in der Recherche so einen Text etwas von einem Historiker namens Edgar Ponshuk rausgegraben.
00:30:56: Da beschreibt er wirklich schon nineteenhundertdreiundvierzig.
00:30:59: Dass die Neutralität in der Schweiz ein nationale Mythos fast religiöse Weise sei.
00:31:06: und das beschreibt eigentlich meiner Meinung nach sehr gut, dass die Neutralität nicht primär der Außenpolitik dient sondern es ist eine Identitäts- Erinnerungspolitisches Werkzeug.
00:31:18: Und es blockiert eine ehrliche Auseinandersetzung eben mit allen möglichen Verstrickungen der Schweiz, mit der kolonialen Verstrickung, mit den wirtschaftlichen Verschrickungen und mit den nationalsozialistischen Verstrckungen.
00:31:32: Hier geht's auch gar nicht darum, dass wir darüber reden ... Wir haben nicht neue Informationen!
00:31:36: Das hast du auch am Anfang gesagt.
00:31:37: Wir haben ja gar keine neuen Informationen.
00:31:39: Es gab die Berger-Kommission.
00:31:41: Die Schweizer Banken, das wurde alles schon aufgearbeitet.
00:31:45: Es gibt Schwarzenbach.
00:31:47: Die Abstimmung zu der Schwarzenbach-Initiative wurde ja auch in den Achtzigerjahren von so vielen anterrassistischen Organisationen aufgearbeitet, aufgegriffen.
00:31:56: Es gab diese Ausstellungen im Landesmuseum in Zürich zum Thema Kolonialgeschichte der Schweiz und Stadt Züricher.
00:32:05: Es gibt Wissenschaftlerinnen, die seit Jahrzehnten zu dem Thema forschen.
00:32:09: Das Wissen ist ja da und da kommen wir wieder.
00:32:11: Es geht nicht darum dass diese Fakten fehlen würden.
00:32:14: in den Archiven sind viele sehr gut dokumentiert Und die kommen auch immer wieder ja zum Vorsteinen.
00:32:19: Also letztens habe ich dir so ein Artikel geschickt auf SRF, wo wieder eine Waffenfirma in Solothun war das glaube ich, entdeckt wurde, die den Nazis beliefert hat.
00:32:28: Oh!
00:32:29: Wieder und Bühle!
00:32:31: Oh!
00:32:32: Die Rassenforschung an der Uni Zürich hatte was zu tun mit den Nürnberger Gesetze – oh!
00:32:38: Dass man nicht Sachen zusammenbekommt, dass man nicht die Judenverfolgungen in der Schweiz in den achtzehnten, neunzehnten Jahrhundert zusammenbekommt mit Überfremdungsinitiativen.
00:32:52: Mit fremden Feindlichkeit als Begriff!
00:32:55: Aber dass diese Kontinentie, dieses Zusammenhänge eben nicht sichtbar gemacht werden, da hilft eben Neutralität.
00:33:04: Dass man immer wieder sagen kann wie sind die Guten?
00:33:07: Hier ist alles gut.
00:33:08: Die Bühne ist sauber, die Bühnen ist weiß und schön.
00:33:14: Und wenn es mal so ein Ausrutscher gibt, dann ist das eben ein Ausrütscher.
00:33:18: Also wenn so etwas mal wieder hervortritt öffentlich-medial aufgearbeitet wird in der Institution aufgehaltet, dann is'n ausrutschers.
00:33:26: Es ist nicht die Geschichte dieses Landes!
00:33:30: Das heißt im meiner Auffassung... Und wir werden auch mit Melinda Najaboni noch ein Gespräch führen.
00:33:37: Das ist eine andere Folge darüber, dass die Schweiz eine wirklich konsequente konsistente andauernde systematische Gewaltgeschichte hat und da nicht anders es als andere Länder.
00:33:49: Absolut!
00:33:51: Aber in einem ist die Schweiz wirklich besser als jedes Land das ich irgendwie näher erkenne – und zwar im das so ausblenden und trotzdem die Guten sein.
00:34:02: Und du hast ja diese Ausstellung im Landesmuseum erwähnt, ich habe an dieser Ausstellung mitgearbeitet also bezahlungsweise einen Beitrag gemacht, ein Video mit Texten und war deswegen dann ein paar Mal dort.
00:34:19: Interessant, weil ich so gemerkt habe da kommen wirklich ganz viele verschiedene Realitäten in den gleichen Raum.
00:34:26: Also die Ausstellung war immer voll.
00:34:28: leider ist sie nicht in die Dauerausstellung übernommen worden.
00:34:31: das wäre eigentlich auch noch nice Liebes Landesmuseum!
00:34:34: Sie war immer full und da war dann einerseits ein Publikum dass er dachte endlich wird darüber geredet und andererseits waren da Menschen in der Ausstellung als Besuchende in einer ganz neuen Realität waren.
00:34:51: Die haben noch nie im ganzen Leben was davon gehört, dass die Schweiz nicht nur eine koloniale Geschichte hat sondern wirklich viele Verstrickungen mit der Kolonialgeschichte hat und Verstrickung ist eigentlich auch ein bisschen Euphemismus sondern wirklich teilnehmend und in manchen Bereichen maßgeblich irgendwie war oder?
00:35:14: Also das finde ich veranschaulicht auch wieder diesen Aspekt von Erinnerungskultur, über den wir vorhin gesprochen haben.
00:35:22: Dass es so sichtbar gemacht hat, dass in der Schweiz diese Geschichte nicht erzählt wurde.
00:35:29: Die wurde nicht erzählt, die wurde absichtlich nicht erzählt und unterdrückt zu Gunsten dieser Güte der Schweiz.
00:35:36: Und das heißt, dass Leute dann da reinkommen und sind so ... Hä?
00:35:40: Das hat nix mit der Schweiz zu tun, die ich kenne!
00:35:44: Und das wirft natürlich auch Widerstände auf.
00:35:46: Ich finde, die Schweiz ist ein mega defensives Land.
00:35:49: Sobald man nämlich die Schweiz kritisiert, kommt wirklich so ... Ja dann geht doch wo alles ist!
00:35:55: Seid
00:35:55: doch dankbar!
00:35:56: Ist nicht Russland viel schlimmer?
00:35:58: Ist nicht die USA viel schlimer was Polizei-Morde angeht?
00:36:01: Sind die anderen nicht homophobisch?
00:36:04: Also die Schweizer haben durch diese Krasse und da muss man sagen, dass es wirklich Schweizer Qualität durch diese Krasse ... Güterzählung auch eine ganz dünne Haut, wenn es um Kritik geht.
00:36:15: Und bei der Recherche habe ich noch einen Artikel in unserer Bundesverfassung gefunden, der auch nochmal so das Selbstbild des Schweiz ganz schön veranschaulicht – nämlich Artikel fifty-four.
00:36:28: in der Bundesverfaßung sagt «der Bund setzt sich ein für die Wahrung der Unabhängigkeit der Schweiz und ihre Wohlfahrt».
00:36:36: Er trägt namentlich bei zur Linderung von Not und Armut in der Welt, zu Achtungen der Menschenrechte und zu Förderung der Demokratie.
00:36:45: Zu einem friedlichen Zusammenleben der Völker sowie zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.
00:36:51: Geil oder?
00:36:52: Das
00:36:52: ist sehr, sehr geil!
00:36:54: Und eben stellt sich die Frage für wen wird das ja praktisch gelebt?
00:37:01: Wo?
00:37:02: Also dieses universalistische Menschenrechten?
00:37:06: Oder geht's um Menschenrechte für bestimmte Menschen?
00:37:11: Ich weiß überhaupt nicht, um was es da geht.
00:37:13: Also ich kenne die Schweiz, die da geschrieben wird, kenne ich nicht.
00:37:17: In dem Landesmuseum habe ich einen Text geschrieben, der heißt... Die Schweiz gibt das nicht und ein anderen Text geschrieben wo es darum geht.
00:37:24: Ich glaube, die Welt wäre eine bessere ohne die Schweiz.
00:37:28: Der ist bisschen hart ausgedrückt aber wenn ich das lese bin ich so wo!
00:37:33: Wo setzt sich die Schweiz für die Linderung von Not und Armut in der Welt ein?
00:37:39: Also jetzt gerade die aktuelle Schweiz.
00:37:42: So greift sie ein, in den Konflikten kriegen Genoziden, die wir in der welt erleben oder nicht
00:37:47: Und das ist ja auch etwas, was gerade nach dem Ukrainekrieg wurde die Neutralität noch mal sehr stark medial wieder aufgegriffen.
00:37:57: Weil es ging genau darum.
00:37:59: Interessensvertretung versus Verantwortungsübernahme und das finde ich etwas, das nochmal zeigt, dass die Neutralität am Ende des Tages so wie sie gelebt Also wirklich in der Praxis gelebt wird, ist es ein Mechanismus mit dem die Schweizer Erinnerungskultur ihre Lehrstellen erzeugt und legitimiert.
00:38:20: Du hast ja vorhin das Ganze als Meistererzählung beschrieben – Die Meistererkennung der Neutralität.
00:38:28: Als wir letztes Jahr diese Veranstaltung zum Thema Neutralitätstheater in der Gästenerleih durchgeführt haben, hatten wir ja ganz verschiedene Gästinnen da.
00:38:37: Die irgendwie aus ganz verschiedenen Bereichen kamen wo man von außen sagen hätte können so hey was haben die jetzt da irgendwie alle miteinander zu tun?
00:38:46: und ich glaube das Schöne war irgendwie dass es genau zusammenkam.
00:38:51: Dass wir irgendwie als auch wieder Leitgenossinnen irgendwie gemerkt haben am Ende von diesem Problem, die wir beobachten, erforschen oder auch einfach erfahren.
00:39:05: Wie zum Beispiel Rassismus darunter irgendwie Kolonial-Rassismus, Antisemitismus, antimuslimische Rassismos... Kur-Feindlichkeit, Ablesmus und so weiter.
00:39:16: Diese ganzen Ismen bei denen uns von rechts auch immer gesagt wird ja jetzt erfindet ihr da wieder eine koloniale Geschichte und irgendwelche komischen Zusammenhänge und ich schmeiß das alles zusammen.
00:39:28: am Ende von dieser Veranstaltung war irgendwie klar natürlich hängt es zusammen Und das bindet uns auf irgendeine Art auch weil das bedeutet dass wir zusammen kämpfen können.
00:39:36: und bei dieser Veranstalten waren verschiedene Leute eingeladen.
00:39:41: Ich glaube, ich lese einfach ganz kurz diese Liste vor an Menschen die da waren.
00:39:45: Und zwar Nina Mühlemann, Melinda Najabonje, Artaan Islamayi, Sarina Tachibaewa Edwin Ramirez Anushka Gwynn, Samia Mehret und natürlich ein ganz tolles Publikum.
00:40:00: Da kam irgendwie so eben Themen wie Ableismus oder Behindertenfeindlichkeit oder den Ausschluss und Behindermachung von Menschen mit Behinder in unsere Gesellschaft, kam irgendwie zusammen mit der Geschichte von Saisoniers oder jenischen.
00:40:19: Zusammen mit der Präkarisierung von Menschen in der Schweiz.
00:40:24: Weil die Schweiz sich auch als reiches Land erzählt und in dieser Erzählung arme Menschen ausschließt.
00:40:31: Die gibt es nicht oder sind selber schuld.
00:40:33: Es kam koloniale Geschichte damit rein ... Und ja, irgendwie Prozesse ... alte Prozisse von Ausschlüssen über Migration neue Prozese im Migrationssystem heutzutage.
00:40:48: Natürlich eben ganz viele, viele Geschichten.
00:40:52: und da hat sich dann irgendwie die Frage anfangs ergeben und dann auch aufgelöst was haben diese Themen miteinander zu tun?
00:41:02: Also wenn man davon ausgeht dass Das Neutralitätstheater ist Struktur, als kontinuierliche Struktur der Gesellschaft.
00:41:11: Bewusst Hirachidenschaft, bewusst Ausschlüsse schafft, bewusst eben Rollen verteilt.
00:41:17: Mal ist es der Saisonier, mal ist das der Ausländer, mal is'es der Italiener, malis'es dem Muslime.
00:41:21: und wenn diese Rollen und diese Struktur da ist dann entsteht auch unter diesen Menschen die betroffen sind Konkurrenz statt Solidarität.
00:41:31: Also Kämpfe werden alleine gekämpft Menschen arbeiten alleine an Themen.
00:41:37: und hier würde ich gerne auch eine Klammer aufmachen, weil man uns ja auch gerne sagt, wenn es euch nicht passt dann geht doch dahin wo du herkommst usw.
00:41:46: Liebe Leute!
00:41:47: Mein Maßstab ist die Demokratie so wie es in der Bundesverfassung steht das was uns versprochen wird und leider noch nicht gelebt wird.
00:41:54: Also wir arbeiten alle an demokratische Strukturen, und Demokratie ist kein Endzustand, sondern es ein Prozess, an dem wir alle gemeinsam arbeiten.
00:42:03: Und zum Glück haben wir natürlich durch gewisse Grundrechte wie Meinungsfreiheit, künstlerische Freiheit, Pressefreiheit usw.
00:42:10: Auch
00:42:10: Versammlungsfreiheit?
00:42:11: Und
00:42:11: Versammungsfreikeit haben wir ja diese Rechte die hart erkämpft worden sind auf europäischen Boden – das vergisst man ja!
00:42:19: Diese Rechte sind ja Ergebnisse aus dieser Zeit, wo Europa dem Bach komplett runtergegangen ist.
00:42:26: Und dank diese Rechte können wir ja auch schaffen und arbeiten und an diese Demokratie weiter schaffen.
00:42:35: Es gibt mega viele tolle Menschen die immer wieder genau daran zusammenschaffen und genau diese Prozesse vorantreiben.
00:42:44: Auf Grundlage dieser Basis Gibt es mega, mega viele Personen die tolle Arbeit machen?
00:42:50: Du hast einige erwähnt, die jetzt an diesem Neutralitätsdataabend waren.
00:42:54: Was ich beobachtet habe ist aber das Allianzen durch dieses Neutralität-Data also diese... naja hier ist ja alles in Ordnung Erzählung werden ihr Allianz verhindert.
00:43:07: Das heißt Menschen merken Ich bin irgendwo komme ich nicht vor.
00:43:12: Leute erarbeiten Strukturen erarbeiten, wissen.
00:43:15: Ganz viel ist ja auch nicht nur Universitätswissen sondern Praktisches Wissen und versuchen sichtbar zu machen dass sie dort betroffen sind von etwas.
00:43:24: also es wird in allgemeinen als Identitätspolitik beschrieben das wir sagen da gibt's anti muslimischen Rassismus da gibt es Abelismus da gibts Sexismus.
00:43:34: also verschiedene Gruppen benennen und erwähnen wo sind diese Menschen betroffen?
00:43:40: jetzt?
00:43:40: dass perfide eben, wenn eine Struktur geschaffen wird der aberkennt das es existiert.
00:43:47: Und wie kann man in einer Handlungsfähigkeit kommen und das Ganze überhaupt sichtbar machen?
00:43:52: Eine Bewegung kommen.
00:43:53: wir sehen historisch, dass Bewegungen dann stark waren Dann auch wirklich eine Veränderung ermöglicht haben Wenn sich verschiedene Gruppen zusammengetan haben.
00:44:03: Frauenstimmrecht wäre in der Schweiz nicht entstanden ohne Arbeiterinnenbewegungen Migrationskämpfe.
00:44:12: Diese Kämpfe sind zusammengegangen und haben einen historischen Moment geschaffen, in der dann das Frauenstimmrecht ermöglicht war.
00:44:18: Und auch zu dem was wir ja immer wieder sagen die Schweiz war schon vor dem Frauenstimbrecht eine Demokratie.
00:44:27: Die Selbstbeschreibung war auch schon davor ein.
00:44:30: Demokratie hat aber klipp und klar schwarz auf weiß.
00:44:33: Fünfzig Prozent der Gesellschaft von diesen demokratischen Struktur Ferngehalten.
00:44:39: Was ich da ein bisschen witzig finde, ich liebe es auch da wieder so... Es ist auch so offensichtlich wie diese Gutheitserzählungen geformt werden.
00:44:49: wenn's um Frauenstimmen recht geht dann ist ja das Argument oft dass in der Schweiz zwar spät kam, es kam mega, mega spät aber dafür mit einer überzeugten Männerschaft.
00:45:06: Also in anderen Ländern wurde das halt aufgezwungen oder war einfach da.
00:45:12: Aber die machen es trotzdem nicht so gut wie mir, obwohl wir mega schlecht sind, weil bei uns waren die Männer dann wenigstens demokratisch überzeugt davon
00:45:24: dass
00:45:25: die Frauen auch wählen dürfen?
00:45:27: Also das ist auch wieder so eine Umformung von dem, was eigentlich wirklich passiert ist.
00:45:32: Etwas,
00:45:33: was negativ ist und man auch mal aushalten muss – dass es outgepoint wird, dass es negativ wird – wird so lange gedreht und gewendet bis wir sind die guten wieder hervorkommen.
00:45:44: Das ist das Neutratz-Date.
00:45:44: Die Guttel und die
00:45:46: besseren?
00:45:46: Und die bessere sogar!
00:45:47: Genau, genau.
00:45:48: Als die andere.
00:45:49: Das isst die Qualität.
00:45:50: Ja.
00:45:52: Und eben da kommt um wieder zurückzukommen auf unseren Abend Ich habe in Laufe meiner Arbeit sehr oft beobachtet, dass Menschen gerne auf dieses defizitäre Denken verharren.
00:46:04: Meine Betroffenheit ist am schlimmsten.
00:46:06: Mein Leid ist am schlimmsten.
00:46:07: Es ist natürlich auch etwas Menschliches, dass man erst mal aus dieser Erfahrung heraus viel besser darüber reden kann was einem selber passiert.
00:46:16: Was aber nicht möglich ist wenn wir zusammenkommen und dann merken so hey Du bist anders betroffen als ich.
00:46:26: Ich werde niemals wissen, wie es ist eine schwarze Frau in einem öffentlichen Raum zu sein, weil ich keine schwarzen Frau bin.
00:46:31: Andere Leute werden nie verstehen was Alltag von einer muslimischen Person bedeutet.
00:46:35: andere Leute werden nicht wissen
00:46:37: Wie
00:46:38: Es Ist In der Schweiz Einen Jude Jüdien Zu Sein.
00:46:42: Also Das Können wir Nie Verstehen Aber Wenn Wir Strukturen Schaffen Räume Schaffen und So Ein Raum ist eben in der Gänsten alle entstanden dass wir zeigen die Mechanismen Wie wir ausgeschlossen werden, die sind doch sehr ähnlich.
00:46:58: Und auf diese Ebene können wir Verbundenheit schaffen.
00:47:00: Auf dieser Ebene kann wir Erfahrung austauschen.
00:47:02: Auf diese Ebne können wir auch Empathie schaffen.
00:47:05: und auf diese Ebenen verharren wir eben nicht darin dass wir verdrängt werden, ausgeschlossen werden sondern auf diese ebene sagen wir im Moment wie können wir gemeinsam durch demokratische Strukturen die vor uns so viele Menschen erarbeitet haben dadurch für eine Schweiz einstehen, für eine Schweizer Arbeiten gemeinsam die eine gerechtere Gesellschaft ist.
00:47:33: Für uns alle von dem am Ende wenn wir jetzt auch in diese Kategorien reden der weiße alter Mann profitieren wird.
00:47:40: also es geht nicht darum du oder ich sondern es geht darum wie können wir gemeinsam einen gerechterer gesellschaft schaffen.
00:47:48: und was mir sehr weh tut was natürlich auch sehr nachvollziehbar ist.
00:47:54: Angesicht der zugespielten globalen Lage, angesichts der ganzen Krisen, angesichte Genozide, angesichten Kriege und der Verzweiflung haben wir verlernt oder es ist naiv an eine Gesellschaft zu arbeiten die utopisch scheint.
00:48:12: aber alle Kämpfe die wir hatten Frauenwahl- und Stimmrecht war vor zweihundert Jahren ein Utopie.
00:48:19: darin haben Menschen mühsam gearbeitet bis es zustande kam.
00:48:23: So viele Sachen, die wir heute für selbstverständlich nehmen.
00:48:26: Rechte für queere Menschen.
00:48:28: Ehe für alle haben wir doch alle die Abstimmung in den letzten Jahren auch gesehen.
00:48:32: also solche Themen waren immer Utopien aber daran haben Menschen gearbeitet und gemeinsam gearbeitet damit man eben überhaupt Träume schaffen kann damit wir nach vorne arbeiten.
00:48:44: natürlich ist jetzt wichtig dass wir dekonstruieren.
00:48:47: Natürlich ist es wichtig, dass wir benennen präzise benennen.
00:48:50: Wer wird wie ausgeschlossen?
00:48:52: Und gleichzeitig dürfen wir nicht im Trauma und in Vergangenheit – das ist für mich auch der Punkt, wie ich Erinnerungskultur verstehe!
00:49:00: Erinnerungskultur ist nicht einfach aufarbeitende Vergangenheiten.
00:49:03: Erinnerungenskultur heißt, wer wird aus der Vergangenkeit in die Gegenwart erzählt?
00:49:07: Und wer heute nicht da ist, der wird auch morgen nicht vorkommen in die Erzählung oder in der Utopie und in der Demokratie, für die wir doch alle einstehen
00:49:15: wollen.".
00:49:17: Ich würde sagen, da machen wir jetzt ein Armin.
00:49:21: Und das war die erste Folge von unserem Summer Summer Special zum Thema Neutralitätstheater mit Hanan Salamat und mir Fatima Moni.
00:49:33: Wenn euch das weiterhin beschäftigen soll dann schaltet doch einfach in die nächste Folge ein!
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